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#Mitmischen - Zeit zu leben

Leck – 24 Stunden Zeit, ein ganzer Tag und eine ganze Nacht – das Evangelische Kinder- und Jugendbüro (EKJB) hatte zur Jugendvollversammlung eingeladen

Leck – 24 Stunden Zeit, ein ganzer Tag und eine ganze Nacht – das Evangelische Kinder- und Jugendbüro (EKJB) hatte zur Jugendvollversammlung eingeladen und dabei diese Zeit gemeinsam zu verbringen und sie bewusst wahrzunehmen. Bei einer eindrucksvollen Podiumsdiskussion in der St.-Willehad-Kirche erhielten die knapp 40 Jugendlichen sehr persönliche Einblicke in das Leben von vier Menschen, bei denen Zeit eine besondere Rolle spielt.

 

Patricia Schmidt-Knäbel war eine von ihnen. Sie erhielt mit knapp 40 Jahren die Diagnose, dass sie an einer „letalen Lungenfibrose“ leide, einer sehr seltenen Krankheit, die nicht heilbar und in ihrem Verlauf tödlich ist. Eindrücklich schilderte sie, wie Zeit für sie dadurch einen neuen Stellenwert gewonnen habe. Schnell entschied sie, wofür die verbleibende Lebenszeit zu nutzen sinnvoll sei. Die erfolgreiche Organtransplantation sei für sie „Bonuszeit“, geschenkte Zeit, und auch die ist – das sei ihr klar – begrenzt.

 

Ebenso ernsthaft erzählte Christel Tychsen von ihrer Arbeit im Wilhelminen-Hospiz Niebüll. „Das ist mein Kind, dafür habe ich gekämpft, das habe ich aufgebaut“, erzählte sie. Ins Hospiz kommen Menschen, die ihrem Ende entgegen gehen. „Bei uns gilt nur der Patientenwunsch“, sagte sie, „was immer er oder sie sich wünscht, das versuchen wir möglich zu machen.“ Aber sie erzählte auch von langem, schweren Sterben, vom Elend der letzten Tage und dass es manchmal nicht leicht auszuhalten sei. „Ich glaube fest, dass meine Seele, das was mich ausmacht am Ende irgendwo sein wird“, fasste sie zusammen. „Und das tröstet mich. Wenn jemand gestorben ist, dann hat er es geschafft. Dann ist das Leiden zu Ende.“

 

Danielle Forthmann ist 21 Jahre alt und wurde den Jugendlichen als „Weltenbummlerin“ vorgestellt. Sie war viele Male mit dem EKJB in Estland, Reisen sind ihr Leben und ihren Berufswunsch Hotelfachfrau verbindet sie mit der Hoffnung, viel unterwegs sein zu können. Ein halbes Jahr verbrachte sie in Indien. „In Indien ist alles anders. Da kommt nie jemand pünktlich. Man bringt viel Zeit mit Warten zu.“ Und dieses Warten, das so ungewohnt für eine Westeuropäerin ist, nutze man unweigerlich zum Nachdenken. „Bei uns geht immer alles schnell, immer alles mit viel Power“, sagte sie. Zeit zu verschwenden könne sie sich heute nicht mehr vorstellen, sie wolle jeden Moment nutzen.

 

Um gut genutzte Lebenszeit ging es auch bei Peter Schuchardt, Pastor in Bredstedt. Ihm fehle manchmal Zeit für die Familie, gab er zu. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten eines Pastors tun ihr Übriges dazu, und die Zeit, die Kinder aufwachsen zu sehen, sei unwiederbringlich verloren, wenn sie erwachsen würden und aus dem Haus gingen. Manchmal dauere es ihn um die in Sitzungen verbrachte Lebenszeit – auch das gehört nun mal zum Beruf. Aber er erzählte auch von seiner Arbeit in der Suchtkrankenhilfe und von Menschen, die rückblickend ihre Lebenszeit als im Rausch vergeudet ansehen. „Da ist es wichtig, das zu akzeptieren und nach vorne zu blicken“, so der Seelsorger.

 

Mucksmäuschenstill war es in der Kirche, die Jugendlichen ließen sich berühren und inspirieren von den vier Lebensgeschichten. Zeit ist kostbar, lernten sie, Zeit ist begrenzt. Sie gut zu nutzen ist eine Herausforderung, damit nicht am Ende das große „Hätte-ich-doch-nur“ steht.

 

Am Samstag wurde eine neue Jugenddelegierte für das Steuerungsteam des EKJB aus dem Bereich Süd gewählt. Katja Lütt, 18 Jahre, aus Husum wird nun gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Gremiums die Arbeit des Ev. Kinder- und Jugendbüros gestalten und verantworten.