Sie sind hier: Evangelisches Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland

Fair Trade Town

Regionaler Einsatz für eine gerechtere Welt. Seit dem 19. März ist Niebüll eine FairTrade-Stadt. Für dieses international verliehene Zertifikat

 

Was sagt die Presse dazu?

Regionaler Einsatz für eine gerechtere Welt.

Seit dem 19. März ist Niebüll eine FairTrade-Stadt. Für dieses international verliehene Zertifikat müssen sich nicht nur die Kommunen sondern auch der Einzelhandel und die   Gastronomie verpflichten, eine bestimmte Menge an fair gehandelten Produkten zu verwenden und anzubieten. Zudem müssen alle Seiten regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Fairer Handel anbieten. Bei der Ernennung Niebülls zur 466. und nördlichsten FairTrade-Stadt in Deutschland rief Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk zu einer „Kursänderung in der Gesellschaft“ auf.

Die Übergabe des Zertifikates hatte im Rathaus und passend zum verkaufsoffenen Sonntag stattgefunden. Das einstündige Programm bestand auch aus mehreren Gesangseinlagen des gemeinsamen Chores der Friedrich-Paulsen-Schule und der Jugend-Austausch-Gruppe aus Tansania, die zur Zeit in Nordfriesland zu Besuch ist. Und dass sieben teils kurze Redebeiträge auf   dem Programm standen, sorgte für Abwechslung und bleibende Aufmerksamkeit. Im ersten Teil berichteten für Steuerungsgruppe Birgit Thode-Reiter für den Weltladen Niebüll, Holger Heinke für das Stadtmarketing und Anna Lena Ihme für das Evangelische Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland. Die drei beschrieben die Planungs- und Bewerbungsphase, und waren sich in einer Aussage einig. Das Thema Fairer Handel müsse weiter verbreitet werden. Anna Lena Ihme: „Wir wollen den Fairen Handel mit verschiedenen Methoden und Spaß und Begeisterung an die Menschen heranbringen.“ Auch Markus Schwarz vom Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein betonte später, wieviele positive Beispiele er aus Niebüll mitnehmen könne: „Da kann man sagen, es bewirkt etwas.“

Dazu passend betonte ebenfalls der Bürgermeister der Stadt Niebüll, Wilfried Bockholt: „Die Auszeichnung bedeutet nicht, dass man fertig ist. Wir sind auf dem Weg, in unserem Tun und Handeln die Maxime des Fairen Handels zu beachten.“ Dabei gehe es vor allem darum „denjenigen, die produzieren, damit wir unseren Lebensstandard halten können, mehr als nur ein gerade lebensnotwendiges Einkommen zu garantieren.“ Für Wilfried Bockholt steht damit auch der Bauer von nebenan auf der Liste des Fairen Handels, der wegen der Milchquote zur Geschäftsaufgabe gezwungen wird. „Fair Trade hat etwas Gutes in einer oft von Sättigung geprägten Gesellschaft bewirkt“, endete er. Entsprechend stolz sei er auf das Zertifikat.

Den lautesten Appell zum politischen Umdenken hatte Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk auf seinem Manuskript stehen. Er berichtete zunächst von seinem Patenkind Maria aus Paraguay, von der er zuhause ein Foto neben seiner Kaffeemaschine stehen hat. Dort entdeckte es neulich auch ein Freund des Propstes, der darauf gleich ein kritisches Gespräch zu Patenschaften begann. „Einzelne aus dem Notzusammenhang zu ziehen ist nicht hilfreich, wenn die Strukturen geändert werden müssen“ zitierte jenen Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk. Denn tatsächlich gäbe es genug Ressourcen, um weltweite Standards für das tägliche Leben, die Ausbildung und die medizinische Versorgung zu garantieren. „Im Grunde ist es so, dass die Wertschöpfung in den Ländern des Nordens stattfindet. Die Länder des Südens geben uns ihre Rohstoffe, aber sie haben nichts davon.“

In dieser Situation fordert der Propst eine „Kursänderung um zwei Grad“. Zwei Grad können bei einer langen Fahrt schon bewirken, dass man am Ende einen ganz anderen Kontinent erreiche. Und über die Jahrzehnte habe sich durch diese Kursänderung etwas entwickelt. Zudem stimme der Gedanke des Fairen Handels mit den drei Grundpfeilern Evangelischen Kirchen überein: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung - „das gehört konstitutiv zusammen“. Dann leitete der Propst dazu über, auch den persönlichen Handy-Verbrauch zu hinterfragen. Nicht jedes Jahr müsse das neueste Produkt mit den neuesten Funktionen gekauft werden. Auch hier solle sich jeder hinterfragen, und den Kurs vielleicht nicht nur um zwei sondern gleich um sechs Grad ändern. „Das“, schloss Kay-Ulrich Bronk, „ist nicht nur Pflicht, das ist auch eine Freude!“

„So einen Titel bekommt man aber nicht geschenkt“ leitete Manfred Holz, Ehrenbotschafter von FairTrade Deutschland, dann abschließend die Verleihungs-Rede ein. Manfred Holz hatte 1992 Transfair Deutschland mit gegründet und appellierte ebenfalls mit offenen Worten dafür, mehr globale Verantwortung zu zeigen.

„Die globalen Krisen sind nämlich keine Naturereignisse. Sie sind Folgen von Entscheidungen, die wir Menschen getroffen oder aber versäumt haben.“ betonte er. Bestätigendes Gelächter aus dem Publikum erhielt er für die Anmerkung, dass fair gehandelte Kaffeebohnen einen Marktanteil von 3 Prozent erreichen: „Es ist schon interessant, dass viele Kaffeetrinker teure Kaffeemaschinen besitzen, aber billigen Kaffee trinken!“

Abschließend erklärte Manfred Holz, weshalb es ihm ein große Freude sei, die Auszeichnung vorzunehmen: „FairTrade ist der Versuch, Elend und somit Fluchtursachen zu bekämpfen, bevor diese entstehen. Dabei übernehmen immer mehr Kommunen eine große Verantwortung und leisten somit eine tolle Vorbildfunktion.“

FairTrade ist eine unabhängige Initiative, die selbst nicht mit Waren handelt, sondern ein Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt. Das Siegel setzt strenge Standards in den Bereichen Umwelt, Soziales und Handel – kontrolliert werden diese regelmäßig. Der deutsche TransFair e.V. wurde vor 25 Jahren von insgesamt 36 Organisationen gegründet und hat sich aus der Nische heraus zu einer gesellschaftspolitischen Bewegung entwickelt.