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Und du?

Morgen schon was vor?! Ideen für ein anderes wertvolles Morgen - Klimaschutz und Nachhaltigkeit - diese Themen gehen an drei Gewohnheiten

Klimaschutz und Nachhaltigkeit – diese Themen gehen an drei Gewohnheiten: an das Autofahren, an den Fleischverzehr und an die Elektronik. Viele Menschen fühlen sich bedrängt und wünschen deshalb keine Bevormundung von selbsternannten Klimarettern. Die Arbeitsgruppe „Klima“ im Evangelischen Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland suchte nach anderen Angehensweisen und hat diese zu ihrer Jahreshauptversammlung vorgestellt. Ann-Kathrein Göring fasst die Angehensweise der Gruppe zusammen: „Man soll nicht verzichten müssen, sondern etwas anderes Gutes haben. Etwas wertvolles, das kein Verzicht sondern eine Alternative ist.“

 Der Leitspruch der Gruppe lautet deshalb auch ganz unidealistisch „Morgen schon was vor?“, und damit zwingt er nichts auf, sondern lädt zum Nachfragen nach einem klimagerechteren, nachhaltigeren Leben ein. Die Nordkirche definiert den Begriff Nachhaltigkeit offiziell über drei Eckpunkte: Bewahrung der Schöpfung, Frieden und Gerechtigkeit. Die Klimagruppe hatte sich intern auf ein Dreieck aus ökologisch, sozial und ökonomisch geeinigt – Im Grunde können die Definitionen nebeneinander stehen. So idealistisch sie klingen, so unangenehm erscheinen sie. Allerdings nur auf den ersten Blick.

Denn ein klimafreundlicheres Leben und Wirtschaften geht mit dem Ändern von persönlichen Gewohnheiten einher. Tragebeutel statt Plastiktüten oder der Wechsel zu einem Duschgel ohne Mikroplastik klingen nach Verzicht, sind aber nur das Ablegen einer kleinen Angewohnheit. Diese Beispiele sind noch leicht bewusst zu machen. Aber Klimaschutz betrifft auch die Frage der Mobilität, des täglichen Autofahrens, sei es nun beruflich oder privat. Aber ohne Auto geht kaum etwas in Nordfriesland, das wissen auch die Gruppenmitglieder. Hierzu hat Hauke Harder initiativ eine eine Car-Sharing-Station mit Elektroauto in Klixbüll gegründet: Benutzung gegen monatliche Gebühr für alle Fahrten, außer zur Arbeit.

Zum zweiten Streitthema, gutem Essen, haben die Jugendlichen mehrmals gekocht, probiert und Rezepte aufgeschrieben. So ist ein kleines Kochbuch entstanden, das auch den CO2-Verbrauch pro Mahlzeit nennt. Anbau, Weiterverarbeitung und Zubereitung zusammen gerechnet verbrauchen Muskartoffeln mit Käse 505 Gramm CO2 pro Person, Gemüsefrikadellen mit Hirse hingegen nur 42 Gramm. „Auch wenn die Gerichte erst einmal unbekannt klangen, waren die Leute überrascht, wie einfach und lecker die Rezepte sind“, berichtet Anna Ihme von den Kochabenden.

An anderen Tagen hat sich die Gruppe auch mit der Wiederverwertung alter Materialen, dem upcycling, beschäftigt. Dahinter steht die Idee, alte Gebrauchsgegenstände, angeblichen Müll, kreativ wieder zu verwerten. Ein altes Buch kann in einen Schlüsselbrett umgebaut werden, eine Isolierröhre in einen Stiftehalter. Schallplatten werden zu Obstschalen gebogen, Gitarren in Deckenlampen umfunktioniert. Mit Fantasie und Freude lassen sich oft wertvolle Gegenstände herstellen.

Alle Beteiligten verstehen sich dabei als Multiplikatoren, sie wollen ihr erarbeitetes Wissen anderen anbieten und weiterreichen. Deshalb nahm die Gruppe auch nicht nur wie üblich an der Klima-Sail und deren Workshops teil sondern unternahm auch Fahrten durch die theoretische Welt der Fach- und Sachliteratur. Sie haben sich quer durchs Angebot gelesen und auch viele DVDs gesehen. Die Dokumentationen stellen Fragen wie nach den Nahrungsmitteln, die täglich auf den Müll geraten; oder nach dem umweltschädlichen Einsatz von Chemikalien bei der Jeans-Herstellung. Die Bücher und Broschüren informieren über Reste- und Wiederverwertung, Eigenherstellung und anderes nachhaltiges Verhalten; und auch Berichte über erfolgreiche „Weltveränderer“ fehlen nicht in der Sammlung. Die erarbeiteten Informationen will die Gruppe, bestehend aus Ann-Kathrein Gräning, Hauke Harder, Anna Ihme, Birke Labs und Till Wesselmann, nun anderen anbieten.

Für die Praktiker wiederum bietet die Klimagruppe auch einen kleinen Solarkocher an, der wie eine tragbare Satellitenschüssel anmutet.

Im nächsten Jahr wird die Gruppe in die Verbreitungsphase gehen. Dann werden sie an Informationsabenden ihre Zusammenfassungen und Erfahrungen an Jugendgruppen und -leiter weitergeben. Auch an andere Interessierte. Zum Beispiel in einem Projektmanagement-Workshop. Ein regelmäßig geführtes Blog soll vielleicht entstehen, auf jeden Fall aber soll der „Spinner-Workshop“ stattfinden, der allen Interessierten geöffnet ist. Der selbstironische Name ist Programm, denn sie wollen ganz ohne Vorgabe und Fixierung nach neuen Ideen und Anstößen suchen. Für Fragen ist die Gruppe „Klimaschutz“ wochentags über das Evangelische Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland in Niebüll zu erreichen.