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Erfahrungen an der Treene, hinter dem Gletscher und im Zirkus

Auch wenn es so scheinen mag, ein Reiseanbieter ist das Evangelische Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland nicht.Zum Glück.

Freizeiten in Dänemark, Lettland und an der Treene, ein Klimaworkshop auf einem Traditionssegler inklusive Gletscherwanderung und ein Zirkusprojekt in Emmelsbüll. Auch wenn es so scheinen mag, ein Reiseanbieter ist das Evangelische Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland nicht. Zum Glück. Denn so vollzieht die Leiterin Susanne Kunsmann ihre Qualitätskontrolle ausschließlich an der Zufriedenheit der Kinder und Jugendlichen und der Länge der Wartelisten für die Angebote.

 Die Kinderfreizeiten fanden wie immer in Skovby statt. Der neue Inklusionsgedanke hatte dabei nur wenig verändert. Denn auch wenn ein Kind erhöhten Assistenzbedarf hat, will es trotzdem auch im Zelt schlafen. An einer Reise hatte ein Mädchen mit sehr geringem Sehvermögen teilgenommen, was zu Beginn in einem Gruppengespräch angesprochen wurde. Es entstand ein vorurteilsfreier Erfahrungsaustausch. Eine Teilnehmerin etwa merkte an, dass ihre Oma auch nicht richtig gucken könne. Die als Betreuerin mitgereiste Leiterin des EKJB in Niebüll, Susanne Kunsmann konnte auch hier nur feststellen: „Inklusion ist kein Problem der Kinder. Ganz vorurteilsfrei haben sie sich gemeinsam großartige Erlebnisse geschaffen.“

Die Gruppe hatte den Assistenzbedarf selbst erfüllt. Ob bei Gruppenspielen oder beim Gang zum nahe gelegenen Bäcker. Die meisten Hürden meisterten sie gemeinsam und quasi alleine, also ohne Zutun der Betreuer.

Sogar ganz ohne hauptamtliche Betreuer reisten 3 Ehrenamtliche Jugendliche mit 15 Teilnehmern nach Lettland. Die Teamer waren in den Vorjahren selbst noch Teilnehmer und hatten damit genug Erfahrung für die übertragene Verantwortung. Das ist ein typischer Kreislauf im EKJB. Aus begeisterten Teilnehmern werden engagierte Anleiter. Auf der lettischen Seite sieht es ähnlich aus. Eine Lehrerin der Partnerschule hatte neben der Hintergrundarbeit auch extra ein „Ehemaligen-Treffen“ organisiert. Das Projekt ist seit Jahren ein guter Austausch.

Andere haben sich im Inland ausgetauscht. Nachts an der Treene sitzen und „Schwafeln“ und bei Tag Paddeln. Oder sich in der Schwimmweste den Fluss herunter treiben lassen. So lax lässt sich die Kanu-Freizeit zusammenfassen, denn mehr brauchte es nicht, um mit eine großartige Woche in der Natur zu verbringen.

Eine andere Art, sich mit der Natur auseinanderzusetzen, bot die Segelfreizeit an. Auf einem Zweimaster ging es zu einer Gletscherhütte in Norwegen, um sich während der Reise mit dem Klimawandel zu beschäftigen und ihn dabei auch zu erleben. Anna Lena Ihme vom EKJB hatte mit Imke Frerichs eine Expertin für diese Reise gewinnen können, sie ist Referentin für Brot für die Welt. Eine besonders eindrucksvolle Erfahrung gab es zum Schwerpunkt Mikroplastik. Die Reisenden untersuchten dazu ihre Duschgels und anderen Körperpflegeprodukte: zwei Teelöffel in ein einem Kaffeefilter in Wasser verrühren, trocknen lassen und mit einer Taschenlampe anleuchten. Was dann glitzert, ist das Mikroplastik. Anna Lena Ihme selbst sind der Test und die Reise auch noch sehr bewusst: „Ich glaube, die Jugendlichen denken da sehr drüber nach. Das Tolle ist ja die Kopplung von Abenteuer und Erfahrung. Man überlegt doch dreimal bei all diesem Plastik.“

Weniger überlegt als einfach ausprobiert wurde hingegen in der Alten Schule in Emmelsbüll. Toby Möller hatte mit dem Projekt „Watt 'n' Zirkus“ ein sehr offenes Angebot gestaltet. Die Teilnehmer sollten nach 10 Tagen Üben eine öffentliche Show aufführen – und zwar das, was sie gelernt hatten. Durch einfaches Ausprobieren. Klingt unvorhersehbar, war aber sehr kreativ und der grandiose Auftritt wurde mit tosendem Applaus quittiert. Unter den 15 Jugendlichen waren 5 mit Fluchterfahrung. Ein Ehreamtlicher, 17 Jahre und Afghane, hatte sich in dem Projekt als Kulturmittler eingebracht. Toby Möller stellte fest: „Sprache spielt tatsächlich keine Rolle, wenn man den anderen mit einem Lächeln begegnet.“

Lächeln scheint zusammengefasst wirklich so eine Art inoffizielle Währung im EKJB zu sein. Und dementsprechend wurden die ehrenamtlichen Teamer, die die vielen Freizeiten erst möglich machten, mit einem „Danke-Tag“ bezahlt. Pizza Essen gehen ist einfach nicht adäquat für die Leistung. Denn jeder Ehrenamtliche bringt seine eigene Note ein. Und so entsteht quasi mit jedem Team,mit jeder Freizeit, eine andere Melodie. Für die Kinder wie für die Teamer entstehen immer neue Möglichkeiten zum Lernen und Wachsen. Statt Pizza ging es also mit zwei Dutzend der Ehrenamtlichen nochmals an die Treene. Und wieder unter dem Motto „ungeplantes Paddeln mit Lagerfeuer“.

Viele Eltern hatten sich von der Begeisterung ihrer Kinder anstecken lassen und wollten diese gleich nach den Freizeiten für das nächste Jahr anmelden. Allerdings wird das neue Programm des EKJB erst im Januar 2017 fertig- und vorgestellt.