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Rafiki heißt Freunde

TANSANIA/NORDFRIESLAND. „Tansanier kennen keinen Abschied“ berichtet Finja Belusa. Die Begrüßung eines fremden Gastes sei jedes mal ein großes Fest, doch das Weiterreisen werde weitaus weniger bedacht. Im Gegensatz zu unserer Kultur steht das „große Ritual“ am Anfang der Begegnung. Doch das ist nicht die einzige Erfahrung, die Finja Belusa aus Tansania mitgenommen hat. Am 22. Mai hatten sie und die anderen Teilnehmer ins Christian-Jensen-Kolleg geladen, um von ihrer Reise zu berichten.

An der vom Evangelischen Kinder- und Jugendbüro organisierten Begegnung in der tansanischen Konde-Diözese haben 16 Jugendliche teilgenommen, aus jedem Land acht. Drei Wochen reisten sie im Oktober 2014 von Gemeinde zu Gemeinde und erhielten Einblicke in eine christliche, aber fremde Kultur. Auch die Landschaft war den Teilnehmern wichtig, doch vor allem der kulturelle Sprung: Wie denken die Menschen dort? Wie leben sie? Wie steht es um die Schulen und Kindergärten? Wie glauben die Tansanier?

Deshalb gab es auf der Reise in jeder Gemeinde eine spontane Gesprächsrunde. Zum gegenseitigen Kennenlernen und Verstehen konnte dort jede Seite fünf Fragen stellen, die dann beantwortet wurden. Denn ebenso wie den Nordfriesen Tansania fremd und unbekannt war, verhielt es sich auch mit den Tansaniern und Deutschland. Die Frage „Warum gehen in Tansania so viele Leute in die Kirche?“ fand seine Gegenfrage in: „Warum nehmen in Deutschland so wenig Jugendliche am Kirchenleben teil?“ Und obwohl die Fragen spontan gestellt wurden, wiederholten sich einige in den verschiedenen Gemeinden. Besonders oft fragten die Tansanier „Warum lassen sich so viele Deutsche scheiden? Was ist mit eurer Ehe?“ Und auch Homosexualität, die dort unter staatlicher Strafe steht, war ein wiederkehrendes Thema. Beidseitig wurden also bewegende Fragen gestellt. Die Gespräche wurden teils von Helena Funk übersetzt und teils fanden sie auf englisch statt. Hände und Füße wurden notfalls auch benutzt.

Diese Begegnungen haben die Teilnehmer geprägt. Konkret etwa hinterfragt Finja Belusa nun das hier üppige Konsumverhalten. Andere Denkanstöße stehen in den Tagebuch-Einträgen, die die Reisenden in einem Heft zusammengefasst haben. „Erstaunlich, wie sehr man sich zuhause fühlen kann, so weit weg von unserem eigentlichen Zuhause.“, schreibt Jana Lena Reimann, „Natürlich sind Unterschiede vorhanden, doch inzwischen sind unsere Gemeinsamkeiten viel wichtiger und lassen unsere Herzen gemeinsam schlagen.“ Lisa Reimann merkt an: „Rafiki heißt Freunde und genau das ist es was passiert ist in Tansania: Menschen kennenlernen und merken, wie schön es ist zusammen Zeit zu verbringen, Freunde zu werden.“

Zur Reise-Vorbereitung hatten sie die Jugendlichen mehrmals im Vorhinein getroffen. „Was wollen wir kennen lernen, was ist uns wichtig?“ fragten sie sich. Für einen Zuschuss musste auch ein Programm erstellt werden. Helena Funk, eine der beiden Organisatorinnen, gab den acht deutschen Teilnehmern einen Grundkurs in Suaheli, man wollte sich auf das Land und die kulturellen Eigenheiten einstimmen. Und auch die Stimmung der Eltern wurde berücksichtigt. Das Kind auf eine so große Reise zu schicken, die generellen Sorgen, die speziellen Fragen nach der Krankenkasse... – dafür gab es einen Elternabend. 

Die Jugendbegegnung war die erste zwischen der Konde-Diözese in Tansania und dem Kirchenkreis Nordfriesland. Im Oktober erfolgt der Gegenbesuch. Wer mehr darüber erfahren oder unterstützen möchte, kann sich an das Evangelische Kinder- und Jugendbüro Nordfriesland ( 04661 – 1462 oder info@ekjbnf.de) wenden.